Koriander kennt man vor allem als frisches Kraut, an dem sich die Geister scheiden: Die einen lieben es, die anderen können es nicht ausstehen. Doch die Pflanze liefert auch ein Gewürz, auf das sich fast alle einigen können: Koriandersamen. Die kleinen beigen Kügelchen duften nach Orange, Zitrone und Holz und würzen Gemüse nach griechischer Art, Currys, eingelegtes Gemüse und sogar manche Biere. In diesem Ratgeber erfährst du alles über die Wirkung von Koriandersamen, vor allem auf die Verdauung, über ihren Geschmack und den Unterschied zu den Blättern. Danach geht es in die Küche und in den Garten.
Was sind Koriandersamen eigentlich?
Koriander (Coriandrum sativum) ist eine einjährige Pflanze aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae), wie Karotte, Petersilie, Fenchel, Kümmel und Kreuzkümmel. Was wir „Samen“ nennen, sind in Wirklichkeit ihre getrockneten Früchte: kleine, gerippte Kugeln von 3 bis 5 mm, die beim Zerdrücken in zwei Hälften zerfallen.
Koriander stammt aus dem Mittelmeerraum und dem Nahen Osten und gehört zu den ältesten bekannten Gewürzen: Im Grab des Tutanchamun in Ägypten wurden Samen gefunden. Die Römer verbreiteten ihn in ganz Europa. Heute ist Indien mit großem Abstand der größte Produzent und Verbraucher, vor Marokko, Russland, der Ukraine, Bulgarien und Kanada.
Wie schmecken Koriandersamen?
Koriandersamen schmecken mild, warm und leicht süßlich, mit deutlichen Noten von Orange und Zitrone, einem blumigen Hauch und einer holzigen Basis, die beim Rösten fast nussig wird. Sie sind weder scharf noch bitter. Ihr Aroma verdanken sie vor allem dem Linalool, einem Duftstoff, der auch in Lavendel und Zitrusschalen vorkommt und den größten Teil ihres ätherischen Öls ausmacht.
Genau dieser milde, fruchtige Charakter macht sie so unkompliziert: Sie passen zu Gemüse und Fisch genauso gut wie zu Fleisch, Brot und sogar manchen Desserts.
Koriander: Samen oder Blätter – was ist der Unterschied?
Blätter und Samen stammen von derselben Pflanze, haben in der Küche aber fast nichts gemeinsam. Die frischen Blätter schmecken frisch, krautig und zitronig, manche Menschen empfinden sie als „seifig“. Dafür gibt es eine Erklärung: Der Eindruck soll von Stoffen namens Aldehyde kommen, die in den Blättern, aber nicht in den Samen enthalten sind, und von einer genetisch bedingten Empfindlichkeit mancher Menschen gegenüber diesen Stoffen. Gute Nachricht für alle, die frischen Koriander hassen: Die Samen mögen sie oft trotzdem.
| Teil | Geschmack | Verwendung | Haltbarkeit |
|---|---|---|---|
| Samen | Mild, zitrusartig, holzig | Gemüse nach griechischer Art, Currys, Marinaden, Pickles, Brot | Ganz 1 bis 2 Jahre |
| Blätter | Frisch, krautig, zitronig, manchmal „seifig“ | Salate, Guacamole, Suppen, asiatische und mexikanische Gerichte | Einige Tage im Kühlschrank |
| Wurzeln | Intensiv, zwischen Blatt und Samen | Currypasten, thailändische Küche | Einige Tage im Kühlschrank |
Die beiden sind also nicht austauschbar: Einen Löffel Samen ersetzt du nicht durch Blätter und umgekehrt.
Die Wirkung von Koriandersamen
Koriandersamen werden seit der Antike in traditionellen Heilkunden verwendet, in Europa ebenso wie in Indien, vor allem für die Verdauung. Sie enthalten ätherische Öle, Ballaststoffe und antioxidative Verbindungen. Im Labor und im Tierversuch zeigten ihre Extrakte antioxidative und antibakterielle Effekte sowie einen möglichen Einfluss auf Blutzucker und Cholesterin. Beim Menschen gibt es bisher nur wenige und kleine Studien. Zur Erinnerung: In Europa ist für Koriander keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen.
Koriandersamen und Verdauung
Das ist die älteste und am besten anerkannte Anwendung. Wie seine Verwandten Kreuzkümmel, Fenchel und Kümmel gilt Koriander als blähungstreibendes (karminatives) Gewürz: Er soll helfen, Völlegefühl, Blähungen und leichte Krämpfe nach dem Essen zu lindern. In Deutschland hat die Sachverständigenkommission, die Heilpflanzen bewertete, die Kommission E, die Anwendung von Korianderfrüchten bei leichten Verdauungsbeschwerden und Appetitlosigkeit anerkannt. Moderne klinische Belege sind zwar begrenzt, aber ein Tee nach einem üppigen Essen ist für die meisten Menschen eine angenehme und unbedenkliche Gewohnheit.
Koriandersamen-Tee
Warm und leicht zitronig: Koriandersamen-Tee ist ein einfacher Verdauungstee.
Für 1 Tasse:
- 1 Teelöffel Koriandersamen
- 250 ml Wasser
- Nach Belieben: ein paar Fenchelsamen, eine dünne Scheibe Ingwer, eine Zitronenscheibe oder ein Teelöffel Honig
Zubereitung: Zerdrücke die Samen leicht im Mörser oder mit der flachen Seite eines Messers, damit sie ihr Aroma freigeben. Übergieße sie mit siedendem Wasser, decke die Tasse ab und lass den Tee 10 Minuten ziehen. Abseihen und lauwarm trinken, am besten nach dem Essen. Ein bis zwei Tassen am Tag reichen völlig.
Wie verwendet man Koriandersamen?
Koriandersamen kannst du auf drei Arten verwenden:
- Ganz in Kochflüssigkeiten, Marinaden, Sud, eingelegtem Gemüse und Gemüse nach griechischer Art. Sie geben ihr Aroma langsam ab und sind angenehm zu kauen.
- Grob zerstoßen im Mörser, über gerösteten Karotten, Fisch oder gegrilltem Fleisch oder im Brotteig.
- Gemahlen in Currys, Tajines, Suppen, Soßen und Gewürzmischungen wie Garam Masala, Ras el-Hanout oder Harissa.
Weil sie mild sind, kannst du mehr davon nehmen als von anderen Gewürzen: Ein bis zwei Teelöffel für ein Gericht für vier Personen sind eine übliche Menge. Besonders gut passen sie zu Kreuzkümmel, Ingwer, Knoblauch, Zitrone, Orange, Karotte, Blumenkohl, Pilzen, Lamm, Schwein und Lachs.
Geröstete Koriandersamen

Dieser Trick macht den Unterschied: die Samen vor der Verwendung ohne Fett rösten. Die Hitze setzt ihre ätherischen Öle frei und bringt Noten von Haselnuss und gerösteten Zitrusfrüchten hervor.
- Erhitze eine Pfanne ohne Fett bei mittlerer Hitze.
- Gib die Samen hinein und rühre 1 bis 2 Minuten lang ständig um.
- Sobald sie leicht goldbraun sind und intensiv duften, gib sie auf einen Teller, damit sie nicht weiterrösten. Vorsicht: Sie verbrennen schnell und werden dann bitter.
- Lass sie abkühlen und verwende sie ganz, zerstoßen oder gemahlen.
Geröstete Samen schmecken köstlich über Ofengemüse, einer Karottensuppe, Hummus oder einem Linsensalat.
Koriandersamen gemahlen oder ganz?
Unser Tipp: Kauf die Samen ganz und mahle sie erst kurz vor der Verwendung, im Mörser oder in einer Kaffeemühle. Ganz behalten sie ihr Aroma ein bis zwei Jahre. Gemahlen verlieren sie innerhalb weniger Monate einen Großteil ihres Aromas, weil ihre ätherischen Öle schnell verfliegen. Gemahlener Koriander aus dem Handel ist trotzdem praktisch für Currys und Gewürzmischungen, solange du ihn oft erneuerst.
Gemüse nach griechischer Art mit Koriander

Trotz ihres Namens sind Gemüse „à la grecque“ (nach griechischer Art) ein großer Klassiker der französischen Küche: Gemüse wird in einem aromatischen Sud aus Olivenöl, Zitrone und Koriandersamen gegart und dann kalt serviert. Am bekanntesten sind Champignons, aber das Rezept funktioniert auch mit Perlzwiebeln, Karotten, Blumenkohl, Fenchel oder Lauch.
Champignons nach griechischer Art für 4 Personen:
- 500 g kleine Champignons
- 10 Perlzwiebeln (nach Belieben)
- 100 ml trockener Weißwein und 100 ml Wasser
- 5 Esslöffel Olivenöl
- Saft von einer Zitrone
- 1 Esslöffel Koriandersamen
- 1 Esslöffel Tomatenmark (nach Belieben)
- 1 Lorbeerblatt, 2 Zweige Thymian, Salz, Pfeffer
Zubereitung: Putze die Champignons und halbiere die größeren. Gib Wein, Wasser, Olivenöl, Zitronensaft, die leicht zerdrückten Koriandersamen, Tomatenmark, Lorbeer und Thymian in einen Topf. Bring alles zum Kochen, gib die Zwiebeln dazu und lass sie 5 Minuten garen. Dann kommen die Champignons dazu und garen weitere 10 Minuten ohne Deckel. Mit Salz und Pfeffer würzen, abkühlen lassen und einige Stunden in den Kühlschrank stellen. Am nächsten Tag schmecken die Champignons noch besser, als Vorspeise oder zum Aperitif.
Koriandersamen: unsere Rezeptideen
- Ofenkarotten: Mische Karotten mit Olivenöl, zerstoßenen Koriandersamen, Kreuzkümmel und etwas Honig und röste sie im Ofen.
- Eingelegtes Gemüse: Gib einen Teelöffel Samen in den Essigsud für eingelegte Zwiebeln, Gurken oder Blumenkohl.
- Lachs oder Makrele: Umhülle den Fisch vor dem Braten mit einer Kruste aus zerstoßenen Koriandersamen und Pfeffer.
- Currys und Dals: Gemahlener Koriander ist zusammen mit Kreuzkümmel und Kurkuma die Basis unzähliger indischer Currys.
- Marinaden: für Lamm, Schwein oder Hähnchen, mit Knoblauch, Zitrone und Olivenöl.
- Brot und Gebäck: Ein paar zerstoßene Samen im Brot-, Brioche- oder Mürbeteig sorgen für eine überraschende Zitrusnote.
- Weißbier: In Belgien wird Witbier traditionell mit Koriandersamen und Orangenschalen aromatisiert.
Was kann man statt Koriandersamen nehmen?
Keine Koriandersamen mehr im Schrank? Kein Gewürz schmeckt genau gleich, aber hier sind einige Alternativen:
- Kreuzkümmel: Er gehört zur selben Familie und passt sehr gut zu Currys und orientalischen Gerichten, ist aber kräftiger. Nimm etwa die Hälfte.
- Kümmel: ideal für Brot, Kohl und Kartoffelgerichte.
- Fenchelsamen: Sie bringen eine Anisnote mit, perfekt zu Fisch und Gemüse.
- Orangen- oder Zitronenschale mit einer Prise Kreuzkümmel: um die Zitrusnote in einer Marinade oder bei Gemüse nach griechischer Art nachzuahmen.
- Garam Masala: Es enthält bereits Koriander und hilft im Curry gut aus.
Koriandersamen aussäen
Koriander lässt sich leicht im Garten oder im Topf ziehen, und du kannst sowohl die Blätter als auch die Samen ernten:
- Wann säen: von April bis Juni direkt an Ort und Stelle, denn Koriander verträgt das Umpflanzen schlecht. Damit du den ganzen Sommer Blätter hast, säe alle drei Wochen ein wenig nach.
- Wie: Zerdrücke die Samen leicht, um die beiden Hälften zu trennen, und säe sie 1 cm tief in lockere, gut durchlässige Erde, in der Sonne oder im Halbschatten.
- Pflege: regelmäßig, aber nicht zu viel gießen. Bei Hitze „schießt“ Koriander sehr schnell: ein Nachteil, wenn du Blätter willst, aber ein Glücksfall, wenn du Samen willst.
- Samenernte: im Spätsommer, wenn sich die Dolden und Samen hellbraun gefärbt haben. Schneide die Stängel ab, stecke die Köpfe in eine Papiertüte und lass sie ein bis zwei Wochen an einem trockenen Ort trocknen. Schüttle die Tüte: Die Samen fallen von selbst heraus.
Heb ein paar Samen aus deiner Ernte auf, um sie im nächsten Jahr auszusäen.
Koriandersamen: Gegenanzeigen und Vorsichtsmaßnahmen
In küchenüblichen Mengen sind Koriandersamen für fast alle gut verträglich. Ein paar Vorsichtsmaßnahmen:
- Allergie: Wer auf andere Doldenblütler wie Sellerie, Karotte, Fenchel oder Anis oder auf bestimmte Pollen wie Beifuß allergisch ist, kann auch auf Koriander reagieren.
- Diabetes: Koriander könnte den Blutzucker leicht senken. Wenn du in Behandlung bist, sprich vorsichtshalber mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, bevor du täglich konzentrierte Tees trinkst.
- Ätherisches Öl: Es ist hoch konzentriert, sollte nicht ohne ärztlichen Rat eingenommen werden und ist für Kinder nicht geeignet.
Koriandersamen in der Schwangerschaft
In der Schwangerschaft sind Koriandersamen in der Küche in üblichen Mengen nach heutigem Wissen unproblematisch: Ein paar Samen im Curry oder im Gemüse nach griechischer Art sind unbedenklich. Da Daten fehlen, solltest du in Schwangerschaft und Stillzeit aber auf sehr konzentrierte Tees in großen Mengen, Nahrungsergänzungsmittel und das ätherische Öl verzichten. Frag im Zweifel deine Ärztin, deinen Arzt oder deine Hebamme.
Wie bewahrt man Koriandersamen auf?
Wie alle Gewürze vertragen Koriandersamen weder Licht noch Wärme noch Feuchtigkeit. Bewahre sie in einem luftdicht verschlossenen Glas aus getöntem Glas oder in einer Metalldose auf, in einem kühlen, trockenen Schrank, nicht in der Nähe des Herds. Ganz bleiben sie ein bis zwei Jahre aromatisch; gemahlen sind sie innerhalb von sechs Monaten am besten. Um die Frische zu prüfen, zerdrücke einen Samen zwischen den Fingern: Er sollte sofort nach Zitrusfrüchten duften.
Koriander und verwandte Gewürze
Mit seinem Verwandten, dem Kreuzkümmel, bildet Koriander ein unzertrennliches Duo, und zusammen mit Kurkuma und Ingwer steckt er in den meisten Currys. Im Garam Masala trifft er auf Kardamom, Zimt, Gewürznelken und Pfeffer. Entdecke auch unsere Ratgeber zu Paprika, Safran, Muskatnuss und Piment d’Espelette.
Häufige Fragen zu Koriandersamen
Schmecken Koriandersamen wie die Blätter?
Nein. Die Samen sind mild, warm und duften nach Orange, ohne das Krautige oder „Seifige“ der frischen Blätter.
Wie viel Koriandersamen kommt in ein Gericht?
Rechne ein bis zwei Teelöffel für ein Gericht für vier Personen und einen Esslöffel für einen Sud für Gemüse nach griechischer Art.
Kann man Koriandersamen ganz essen?
Ja, sie sind knackig und angenehm, besonders wenn sie leicht geröstet sind. In Schmorgerichten werden sie etwas weicher.
Können Koriandersamen ablaufen?
Sie werden nicht gefährlich, verlieren mit der Zeit aber ihr Aroma, vor allem gemahlen. Wenn sie beim Zerdrücken nach nichts mehr riechen, ersetze sie.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin, eines Arztes, einer Hebamme oder einer Apothekerin bzw. eines Apothekers.


