Mit seiner hübschen Form eines achtzackigen Sterns und seinem kräftigen Duft nach Anis und Lakritz ist Sternanis, auch Badian genannt, wohl das fotogenste Gewürz der Küche. Du findest ihn im Glühwein, in Lebkuchen, pochierten Birnen, in der Brühe der vietnamesischen Pho oder in der berühmten chinesischen Fünf-Gewürze-Mischung. In diesem Ratgeber geht es um die Wirkung von Sternanis, vor allem auf die Verdauung, um Sternanis-Tee, den Unterschied zu Anis und um die Verwendung in der Küche. Außerdem sehen wir uns die unverzichtbaren Vorsichtsmaßnahmen an, denn Sternanis hat einen giftigen Verwandten, mit dem du ihn auf keinen Fall verwechseln darfst.
Was ist Sternanis eigentlich?
Sternanis (Illicium verum) ist die Frucht eines kleinen immergrünen Baums, der aus Südchina und Nordvietnam stammt. Was wir „Stern“ nennen, ist in Wirklichkeit eine Sammelfrucht aus acht kleinen, bootsförmigen Kapseln, die im Kreis angeordnet sind. Jede enthält einen glänzenden braunen Samen. Die Früchte werden noch grün geerntet und dann in der Sonne getrocknet, wobei sie ihre rotbraune Farbe annehmen.
China, vor allem die Region Guangxi, und Vietnam produzieren den Großteil des weltweit verbrauchten Sternanis. Das Gewürz kam im 16. Jahrhundert über die Seehandelswege nach Europa. Der Name Badian stammt vom persischen badian, mit dem Fenchel und Anis bezeichnet wurden.
Wie schmeckt Sternanis?
Sternanis hat einen intensiven Anisgeschmack, warm und leicht süßlich, mit Noten von Lakritz und Holz. Sein Aroma stammt vor allem vom Anethol, demselben Aromastoff wie in Anis und Fenchel. Sternanis ist aber kräftiger, runder und etwas holziger. Ein einziger Stern reicht oft aus, um ein ganzes Gericht zu aromatisieren.
Er passt besonders gut zu Zimt, Gewürznelken, Ingwer, Orange, Vanille, Birnen, Äpfeln, Schweinefleisch, Ente, geschmortem Rindfleisch und Sojasaucen.
Sternanis und Anis: Was ist der Unterschied?
Die beiden werden oft verwechselt, weil sie fast gleich schmecken, doch Sternanis und Anis sind zwei sehr unterschiedliche Pflanzen:
| Sternanis (Badian) | Anis | |
|---|---|---|
| Pflanze | Baum (Illicium verum) | Einjährige Pflanze aus der Familie der Doldenblütler (Pimpinella anisum) |
| Herkunft | Südchina und Vietnam | Mittelmeerraum |
| Form | Brauner, achtzackiger Stern | Kleine graugrüne Samen |
| Geschmack | Kräftig nach Anis, warm, lakritzartig | Milder und frischer nach Anis |
| Verwendung | Schmorgerichte, Brühen, Glühwein, Desserts | Brot, Gebäck, Kräutertees, Liköre |
Beide verdanken ihren Geschmack dem Anethol. Deshalb ersetzt Sternanis in der Industrie häufig Anis, etwa im französischen Pastis und in manchen Anislikören. In der Küche rechnest du einen Sternanis für etwa einen halben Teelöffel Anissamen.
Die Wirkung von Sternanis
Sternanis wird seit Jahrhunderten in der Traditionellen Chinesischen Medizin verwendet, vor allem für die Verdauung und um den Körper zu wärmen. Er enthält ein ätherisches Öl, das reich an Anethol ist, antioxidative Verbindungen und Shikimisäure. Im Labor zeigten seine Extrakte antioxidative, antibakterielle und pilzhemmende Wirkungen. Beim Menschen gibt es dagegen so gut wie keine klinischen Studien.
Zu den oft genannten „antiviralen“ Eigenschaften ist eine Klarstellung nötig. Aus Sternanis gewonnene Shikimisäure diente lange als Rohstoff für die industrielle Herstellung eines Grippemedikaments. Das heißt aber nicht, dass Sternanis-Tee vor Grippe schützt: Die Menge ist winzig, und das Molekül muss chemisch umgewandelt werden, um wirksam zu werden. Und schließlich: In Europa ist für Sternanis keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen.
Sternanis für die Verdauung
Das ist seine häufigste traditionelle Verwendung. Wie Anis, Fenchel oder Kreuzkümmel gilt Sternanis als blähungstreibendes Gewürz: Er soll helfen, Völlegefühl, Blähungen und Luftschlucken zu verringern, und seine krampflösende Wirkung soll leichte Krämpfe nach einer üppigen Mahlzeit lindern. Diese Wirkungen sind vor allem aus der Erfahrung und aus Studien zu Anethol bekannt, nicht aus klinischen Studien mit Sternanis selbst. Ein Tee nach dem Essen bleibt für die meisten Erwachsenen eine angenehme Gewohnheit, sofern du die Mengen einhältst.
Sternanis-Tee
Sternanis-Tee ist mild, wohltuend und von Natur aus süßlich. Man trinkt ihn nach dem Essen oder am Abend.
Für 1 Tasse:
- 1 ganzer Sternanis
- 250 ml Wasser
- Nach Belieben: ein halber Teelöffel Fenchelsamen, eine dünne Scheibe Ingwer, eine Zimtstange oder etwas Honig
Zubereitung: Brich den Stern zwischen den Fingern leicht auf. Gieße das siedende Wasser darüber, decke ab und lass den Tee 10 Minuten ziehen, dann abseihen. Als gesunder Erwachsener solltest du nicht mehr als zwei Tassen am Tag trinken, und das nicht über längere Zeit. Dieser Tee ist nicht für Babys und Kleinkinder geeignet (siehe unten), und in der Schwangerschaft wird davon abgeraten.
Sternanis in der Küche
Sternanis ist ein Schlüsselgewürz der asiatischen Küche und ein Klassiker der Winterdesserts in Europa:
- Chinesisches Fünf-Gewürze-Pulver: Sternanis, Zimt, Gewürznelken, Fenchelsamen und Szechuanpfeffer.
- Vietnamesische Pho: Sternanis, mit Zwiebel und Ingwer angeröstet, aromatisiert die Rinderbrühe.
- Chinesische Schmorgerichte, etwa in Sojasauce geschmortes Schweinefleisch, bei denen ein paar Sterne stundenlang mitköcheln.
- Indische Currys und Biryanis, wo er manchmal Teil des Garam Masala ist.
- Desserts: pochierte Birnen, Apfelkompott, Konfitüren, Lebkuchen, Cremes und Sirupe.
- Getränke: Glühwein, heiße Schokolade, Chai, Sirupe für Cocktails.
Verwende ihn sparsam: ein bis zwei Sterne reichen für ein Gericht für vier bis sechs Personen. Gib ihn ganz zu Beginn des Garens dazu und nimm ihn vor dem Servieren heraus, denn er ist hart zu kauen. Gemahlen genügt eine kleine Prise: Er wird schnell zu dominant.
Sternanis und Glühwein

Ein Weihnachtsmarkt ohne den Duft von Glühwein ist kaum vorstellbar, und Sternanis ist eines seiner Stargewürze.
Glühwein für 6 Gläser:
- 1 Flasche Rotwein (0,75 l), am besten fruchtig
- 1 unbehandelte Orange, in Scheiben geschnitten
- 2 Sternanis
- 1 Zimtstange
- 3 Gewürznelken
- 60 bis 80 g Zucker oder Honig
- Nach Belieben: etwas frisch geriebene Muskatnuss, einige Scheiben Ingwer
Zubereitung: Gieße den Wein mit der Orange, den Gewürzen und dem Zucker in einen Topf. Erhitze ihn bei schwacher Hitze unter Rühren 15 bis 20 Minuten, ohne ihn je kochen zu lassen. Decke ihn ab und lass ihn neben dem Herd weitere 10 Minuten ziehen, dann abseihen und heiß servieren. In Maßen genießen. Für eine alkoholfreie Variante ersetzt du den Wein durch eine Mischung aus Traubensaft und Apfelsaft.
Sternanis: unsere Rezeptideen

Pochierte Birnen mit Sternanis für 4 Personen: Erhitze in einem Topf 1 Liter Wasser mit 150 g Zucker, 2 Sternanis, einer aufgeschlitzten Vanilleschote und einem Streifen Zitronenschale. Schäle 4 Birnen, lass dabei den Stiel dran, lege sie in den siedenden Sirup und lass sie 20 bis 25 Minuten pochieren, bis sich ein Messer leicht hineinstechen lässt. Lass sie im Sirup abkühlen und serviere sie lauwarm oder kalt mit etwas eingekochtem Sirup.
Weitere Ideen:
- Apfelkompott: Ein Stern im Topf während des Kochens macht aus einem gewöhnlichen Kompott etwas Besonderes.
- Lebkuchen: eine Prise gemahlener Sternanis zusammen mit Zimt, Ingwer und Gewürznelken.
- Karamellisiertes Schweinefleisch oder Ente: ein Stern in der Sojasauce und dem karamellisierten Zucker.
- Gemüsebrühe: ein Stern mit Ingwer, Zitronengras und Sojasauce für eine aromatische Nudelsuppe.
- Feigen- oder Pflaumenkonfitüre: ein Stern während des Kochens, der vor dem Abfüllen entfernt wird.
- Sirup für Cocktails: Zucker, Wasser und Sternanis, um einen Cocktail oder eine hausgemachte Limonade zu aromatisieren.
Chinesischer und Japanischer Sternanis: Achtung, Gefahr
Das ist der wichtigste Punkt dieses Ratgebers. Sternanis hat einen nahen Verwandten, den Japanischen Sternanis (Illicium anisatum), dessen Frucht dem echten Sternanis sehr ähnlich sieht. Er ist giftig: Er enthält neurotoxische Stoffe wie Anisatin, die Erbrechen, Zittern und Krampfanfälle auslösen können. Er ist nicht essbar.
Es gab bereits Vergiftungen, in Europa ebenso wie in den USA, durch Chargen von Sternanis oder Tees, die mit Japanischem Sternanis verunreinigt waren. Mit bloßem Auge sind die beiden Früchte schwer zu unterscheiden: Japanischer Sternanis ist oft kleiner, hat unregelmäßigere Zacken und riecht eher nach Kampfer oder Terpentin als nach Anis. Sicherheit gibt aber nur eine Laboranalyse. Daher gilt eine einfache Regel: Kauf deinen Sternanis immer im Lebensmittelbereich bei seriösen Händlern und nie lose unbekannter Herkunft oder als „wilden Sternanis“.
Sternanis: Nebenwirkungen
In der Küche, in den üblichen Mengen, wird echter Sternanis von Erwachsenen gut vertragen. In hohen Dosen kann aber auch er für das Nervensystem giftig werden. Mögliche Wirkungen sind:
- Übelkeit, Erbrechen, Verdauungsbeschwerden;
- Unruhe, Zittern und in schweren Fällen Krampfanfälle, vor allem bei Kleinkindern;
- allergische Reaktionen, selten, aber möglich, vor allem bei Menschen mit einer Allergie gegen Anis, Fenchel oder Sellerie.
Das ätherische Öl von Sternanis ist besonders konzentriert: Es darf nicht ohne ärztlichen Rat eingenommen werden und ist weder für Kinder noch für Menschen mit Epilepsie geeignet. Wenn du nach einem Tee oder nach dem Verzehr von Sternanis Beschwerden bekommst, wende dich an den Giftnotruf oder wähle die 112.
Sternanis: Gegenanzeigen
In küchenüblichen Mengen ist Sternanis für die meisten Erwachsenen geeignet. Von regelmäßigen Tees, Extrakten und ätherischem Öl wird dagegen in mehreren Fällen abgeraten:
- Babys und Kleinkinder: niemals Sternanis-Tee (siehe unten).
- Schwangerschaft und Stillzeit: keine konzentrierten Tees und kein ätherisches Öl.
- Epilepsie: Ätherisches Öl und hohe Dosen meiden.
- Hormonabhängige Krebserkrankungen wie manche Formen von Brustkrebs: Anethol hat eine leichte östrogenähnliche Wirkung. Verzichte vorsichtshalber auf medizinische Dosen und sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
- Allergie gegen Anis, Fenchel, Sellerie oder andere Doldenblütler.
Sternanis in der Schwangerschaft
In der Schwangerschaft ist ein Stern in einem Kompott, einem Schmorgericht oder einer Brühe nach heutigem Wissen unproblematisch. Besser meiden solltest du Sternanis-Tee, vor allem in größeren Mengen, sowie das ätherische Öl, und zwar in Schwangerschaft und Stillzeit. Es fehlen Sicherheitsdaten, und Anethol hat eine leichte hormonelle Wirkung. Auch das Risiko einer Verunreinigung mit Japanischem Sternanis ist ein Grund zur Vorsicht. Frag im Zweifel deine Ärztin, deinen Arzt oder deine Hebamme um Rat.
Sternanis und Babys: eine klare Regel
In manchen Traditionen gab man Säuglingen Sternanis-Tee gegen Koliken. Diese Praxis ist gefährlich, und Gesundheitsbehörden raten ausdrücklich davon ab. Mehrere Babys mussten ins Krankenhaus, nachdem sie Sternanis-Tee getrunken hatten, der entweder mit Japanischem Sternanis verunreinigt oder einfach zu stark war: Reizbarkeit, Erbrechen, auffällige Bewegungen und Krampfanfälle. Säuglinge sind viel empfindlicher als Erwachsene.
Die Regel ist also einfach: Gib einem Baby oder Kleinkind niemals Sternanis-Tee. Bei Koliken sprich mit deiner Kinderärztin, deinem Kinderarzt oder deiner Hausarztpraxis.
Wo kann man Sternanis kaufen?
Sternanis ist leicht zu finden:
- Im Gewürzregal im Supermarkt, in kleinen Gläsern oder Tütchen mit ganzen Sternen.
- In Asia-Läden, oft in größeren Tüten und günstig.
- In Bioläden und Unverpackt-Läden.
- In Apotheken und Kräuterfachgeschäften, für Tees, mit besserer Qualitätskontrolle.
- Bei Gewürzhändlern und online.
Wähle ganze, gut geformte Sterne mit gleichmäßig rotbrauner Farbe und einem sehr deutlichen Anisduft. Finger weg von Produkten ohne klare Kennzeichnung oder Herkunftsangabe.
Wie bewahrt man Sternanis auf?
Bewahre Sternanis in einem luftdichten Glas auf, geschützt vor Licht, Wärme und Feuchtigkeit. Ganze Sterne behalten ihr Aroma zwei bis drei Jahre. Gemahlener Sternanis verliert sein Aroma viel schneller und hält sich etwa sechs Monate bis ein Jahr. Um die Frische zu prüfen, brich eine Zacke ab: Sie sollte sofort nach Anis duften. Sterne, die schon in einem Sirup oder Kompott waren, kannst du abspülen, trocknen und ein weiteres Mal verwenden, auch wenn ihr Aroma dann schwächer ist.
Sternanis und verwandte Gewürze
Im Glühwein und im Lebkuchen trifft Sternanis auf Zimt, Gewürznelken, Muskatnuss und Ingwer. Im Chai verbindet er sich mit Kardamom und Pfeffer, und in Currys mit Kurkuma, Kreuzkümmel, Koriandersamen und Bockshornklee. Entdecke auch unsere Ratgeber zu Paprika, Safran und Piment d’Espelette.
Häufige Fragen zu Sternanis
Sind Badian und Sternanis dasselbe?
Ja, das sind zwei Namen für dasselbe Gewürz, die Frucht von Illicium verum. Nicht zu verwechseln mit Anis, einer anderen Pflanze, und auch nicht mit dem giftigen Japanischen Sternanis.
Wie viele Sternanis kommen in ein Gericht?
Ein bis zwei Sterne für ein Gericht für vier bis sechs Personen und zwei Sterne für eine Flasche Glühwein. Ein Stern für eine Tasse Tee.
Kann man Sternanis essen?
Man kann, aber er ist hart und sehr intensiv. Meist verwendet man ihn, um eine Flüssigkeit zu aromatisieren, und nimmt ihn vor dem Servieren wieder heraus.
Kann Sternanis ablaufen?
Mit der Zeit wird er nicht gefährlich, aber er verliert sein Aroma. Wenn eine abgebrochene Zacke kaum noch nach Anis riecht, ersetze ihn.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin, eines Arztes, einer Hebamme oder einer Apothekerin bzw. eines Apothekers.


